Schau dir mal die Wanzen an ...

von

Peter Schäfer mit vollem Körpereinsatz beim Wanzenfang

Biotop-Monitoring in Diersfordt

In den vergangenen Wochen kroch in den Biotopen am Diersfordter Waldsee ein Mann durchs Gelände, schlug immer wieder mit einem Kescher auf den Boden, klopfte mit einem Tuch auf Sträucher und fing per Hand kleine Insekten ein. Genau gesagt: Wanzen. Noch genauer: Landwanzen.

Der Mann heißt Peter Schäfer, ist Experte für Landwanzen und im Auftrag von Holemans damit beschäftigt, die Wanzenpopulation in den Biotopbereichen systematisch zu erfassen und zu analysieren. Acht Untersuchungsstellen von der Größe eines Viertelquadratmeters hat er dafür ausgesucht und dort jeweils zwei Durchgänge mit den beschriebenen Methoden durchgeführt. Die genaue Bestimmung der Insekten nimmt Peter Schäfer später mit Hilfe eines Binokulars vor, eine komplette Artenliste gibt es also erst im Winter.

Aber Landwanzen? Ganz recht. Wanzen können nämlich noch viel mehr als auf Mauern sitzen und tanzen.

„Wir neigen dazu, Wanzen zu unterschätzen“, erläutert Peter Schäfer. „Sie kommen zwar in jedem Lebensraum vor, verfügen aber über eine hohe Spezialisierung für bestimmte Nahrungs- und Lebensräume. Daher eignen sie sich besonders gut, um die Qualität von Lebensräumen zu bewerten.“

Im Jahr 2014 wurden die Wanzen erstmalig untersucht. Damals konnten 104 Arten nachgewiesen werden, das sind knapp zwanzig Prozent aller in NRW vorkommenden Wanzenarten. Eine Rote Liste gibt es für Wanzen wegen der geringen Datengrundlage leider nicht. „Dennoch ist es uns wichtig, mit unserem Monitoring auch unbekanntere Artgruppen abzudecken, damit wir uns ein besseres Bild vom Erfolg unserer Rekultivierungen machen können“, erklärt Umweltwissenschaftlerin Beate Böckels, die bei Holemans für die Rekultivierung verantwortlich ist.

Seit 25 Jahren schon werden die Biotopbereiche am Diersfordter Waldsee einem systematischen Monitoring unterzogen. Jedes Jahr steht eine bestimmte Art im Mittelpunkt. Waren es in diesem Jahr die Landwanzen, so standen im Jahr 2021 die Stechimmen, also Bienen und Wespen im Fokus. Die Ergebnisse dieser Kartierung kann man hier nachlesen.

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